Umdenken am Warenregal: Kunden richten ihre Aufmerksamkeit verstärkt auf urtümliche Lebensmittel aus natürlicher Produktion wie Wildkräuter, Getreidegräser und Fleisch älterer Nutztierrassen. Unter dem Trendbegriff „Essbare Landschaften“ greifen immer mehr Unternehmen diese Bewegung auf und bieten Produkte von samenechten Obst- und Gemüsesorten sowie Nutztierrassen an.

Historische Obst- und Gemüsesorten gefragt

Junges Weizengras

Junges Weizengras gilt als besonders bekömmlich und gesundheitsfördernd.

Die Lebensmittelindustrie ist auf Hochleistung getrimmt. Aber vielen Verbrauchern kommen solche Produkte kaum noch in die Tüte. Sie setzen auf historische Obst- und Gemüsesorten sowie auf verantwortungsvolle Tierproduktion, die ohne künstlich beschleunigtes Wachstum und Genmanipulation auskommt. So erfahren Geschmack und Qualität neue Aufmerksamkeit, gleichzeitig wächst die Bereitschaft, für gesunde Lebensmittel etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Auch Gastronomen und Hoteliers ziehen nach. Sie bieten urtümliche Produkte auf Speisekarte und Büffet an.

So bietet die Demeter-Felderzeugnisse GmbH für die Gastronomie eigenen Angaben nach mittlerweile ein großes Sortiment an „altem, vergessenen“ Gemüse und Obst an.

Ein bewährter Renner sind beispielsweise auch frische Getreide-Smoothies, wie Tina Beckert, Sprecherin des Unternehmens Frische der Marker oHG, anfügt. Auf der Gastro Vision 2016 präsentierte der Obst- und Gemüsehandel, der eigenen Angaben nach vor allem Gastronomen im Norden beliefert, einen Auszug seiner breiten Produktpallette. Hier zählen Getreidegräser zu den Gesundheitstrendsettern, heißt es weiter.

Um die latent wachsende Nachfrage nach urtümlichen Obst- und Gemüsesorten zu stillen, gründete Marker kurzerhand das neue Unternehmen Essbare Landschaften Holstein. Das „engagiert sich im Interesse der Küche für den Anbau und den Vertrieb von alten, natürlich samenechten Gemüsesorten“, informiert die oHG.

Mehr als verantwortungsvoller Genuss

Tierpfleger Bernd Tippelt im Schweriner Zoo, Foto: Juliane Fuchs

Bei Mechelner Hühnern handelt es sich um eine urtümliche Geflügelrasse, die im Schweriner Zoo gezüchtet wird.

So wie der Obst- und Gemüsehandel von Marker auf historische Sorten setzt, sprießen deutschlandweit vor allem kleine Anbieter aus dem Boden. Seien es wilde Kräuter vom Gutshaus Boltenhagen an der Ostsee oder Fleisch vom Jersey Kalb oder Angler Sattelschwein vom Gut Manhagen in Waltrop.

Die Bewegung der „Essbaren Landschaften“ dient aber nicht nur der gesunden Ernährung, sondern schützt gleichzeitig auch historische Nutztierrassen vor dem Aussterben. So kümmern sich ebenfalls Zoos in ganz Europa um den Erhalt dieser urtümlichen Tierrassen.

Im zweiten Teil über „Essbare Landschaften“ geht es um Produktbeispiele und wir stellen ein Smoothie-Rezept vor.